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10 Tipps zum Widerstand gegen Banken

Wie wir wissen, sind Merkozy und Co. machtlos gegen die Banken, die oft ihre Überlegenheit ausnutzen, um so viele Menschen wie möglich abzuzocken. Die Frage ist daher: Was können wir selbst tun? Es gibt, grob gesprochen, zwei Möglichkeiten: entweder den Kopf in den Sand stecken – oder unsere (nicht ganz ernst gemeinten) Tipps befolgen.

1. Raubt eine Bank aus

Ein Ba-Ba-Banküberfall bedarf zwar einiger Planung, ist dann aber ein schnelles und effizientes Mittel, Gerechtigkeit wieder herzustellen. Was die Durchführung angeht, habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Wählt zwischen dem romantisch-mythenumrankten Modell à la Bonnie and Clyde, dem kindlich-brutalen Modell à la Babyface Nelson oder dem Nichts-geht-über-meine-Brüder-Modell à la Dalton-Brüder, die nicht nur Comic-Figuren waren. Ausgefallen und medial wirksam ist es, einen Tunnel zur Bank zu graben, so wie weiland 1995 die Bankräuber von Berlin. Um das Vorhaben Gerechtigkeit wieder herzustellen würdig zu vertreten, empfehlen wir das Tragen eines Robin-Hood-Kostüms.

2. Holt euch euer Geld zurück

Weniger brutal, aber ebenso effizient und einfach in der Durchführung – die Idee des Ex-Fußball-Profis Eric Cantona ist bestechend: Für den 7. Dezember 2010 plante er einen Bank Run. Per Youtube-Video wandte er sich an die Franzosen und rief sie auf, am selben Tag ihr Erspartes abzuheben. „Wenn das drei Millionen oder zehn Millionen Menschen tun, werden die Banken kollabieren. Das wäre eine echte Revolution.“ Die Idee war gut, nur die Beteiligung zu gering. Doch das lässt sich ja jeder Zeit wiederholen. Vorausgesetzt, ihr habt noch etwas Geld auf dem Konto.

3. Tanzt Flamenco

Wie bitte? Ja, ganz recht: Flamenco tanzen als Protest gegen die Banken. Vorgeführt wurde uns das im Dezember 2010 in Spanien vom Kollektiv FLO 6 x 8 aus Sevilla. In einer Filiale der krisengeschüttelten Bank Santander legten sie vor den erstaunten Mitarbeitern einen Überfall der kreativen Art hin. Flächendeckend angewandt könnte eine solche Aktion die Aktivität von Banken über mehrere Stunden lahm legen. Wem Flamenco zu schwierig ist, der kann auch Macarena tanzen.

4. Occupy eure Bankfiliale

Seit ihrer Entstehung an der Wall Street am 17. September 2011 hat sich die Occupy-Protest-Bewegung weltweit ausgebreitet und kann inzwischen mehr oder weniger auf alles ausgeweitet werden, was uns zur Empörung gereicht. Banken waren von Anfang an ein zentrales Ziel. Gerade geht dem Entrüstungs-Sturm aber etwas die Puste aus. Wie wäre es da, wenn wir alle (also die 99%) vor unserer nächst gelegenen Bankfiliale campen? Ob in zivil oder Zombie-Outfit wie im folgenden Video – das überlasse ich euch.

5. Beschwert euch

Zugegeben: Beschweren ist nur der kleine, spießige Bruder von empören, aber was soll’s. Helfen tut’s allemal. Denn man kann jeden Bankmitarbeiter in den Wahnsinn treiben, wenn man sich über die kleinste Anomalie auf dem Konto oder Unfreundlichkeit in der Filiale beschwert und zwar beim einfachen Angestellten bis hinauf zum Bankdirektor, per Telefon, Mail und persönlich. Wenn auch das nicht das gewünschte Ergebnis bringt, gibt es Vereine, die euch dabei helfen können.

6. Geht wählen

Etwas Old School als Ausdruck von Protest, aber keinesfalls veraltet: Wählen gehen ist immer noch ein probates Mittel, um die allgemeinen Verhältnisse zu ändern. Und ich spreche hier nicht von der Wahl zur Miss Germany. Vor der nächsten Bundestagswahl 2013 (oder früher?) habt ihr auf Landesebene je nach Wohnort ein paar Möglichkeiten: im Saarland (25. März), in Schleswig-Holstein (6. Mai) und in Niedersachsen (20. Januar 2013). Schaut vorher in den Wahlprogrammen nach, was die einzelnen Parteien zum Thema Banken zu sagen haben oder bedient den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung.

7. Verführt eure(n) Bankangestellte(n)

Wenn alles nichts hilft, dann probiert es vielleicht auf die sanfte Tour mit einer Charme-Offensive. Ein Lächeln hier, eine Aufmerksamkeit dort und schon dürfte der/die Bankangestellte(r) ein größeres Interesse an eurer Handy- als an eurer Konto-Nummer haben, wenn ihr es nur richtig anstellt. Ganz wichtig: Versucht ihn/sie aus der Bank hinaus an einen informellen Ort zu locken. Ladet ihn/sie zum Beispiel zum Essen ein und macht euch berechtigte Hoffnungen auf Sonderbehandlungen oder einen Spezial-Kredit.

8. Kauft eure Bank auf

Tricksen ist nicht so euer Ding und viel Geld kein Thema? Dann macht Nägel mit Köpfen und kauft eure Bank auf. Es ist kein Geheimnis, dass man dazu etwas mehr als nur Kleingeld braucht und so nimmt es nicht wunder, dass es auf diesem Gebiet noch keinen Präzedenzfall gibt. Da braucht es schon das Vermögen eines Carlos Slim, eines Bill Gates oder eines Warren Buffett. Doch wer weiß, vielleicht seid ihr ja eines Tages in dieser angenehmen Lage. In diesem Fall vergesst nicht den guten alten Blogger, der euch damals den Tipp mit dem Mikrokredit (siehe unsere Sendung) gegeben hat.

9. Legt den Bank-Server lahm

Diese Möglichkeit des Banken-Protests setzt einige Hack-Erfahrung voraus. Die Gruppe Anonymous hat bereits in den USA (Chase, Bank of America, Citibank) und Brasilien vorgemacht, wie man eine Bank vorübergehend vom Netz nimmt. Selbst die Gema hat schon ihre Wut zu spüren bekommen. Am 31. März wollen sie gar das ganze Internet abschalten. Da dürfte es ja wohl ein Leichtes sein, den Server einer deutschen Bank lahm zu legen, oder? Erwartet sie.

10. Verklagt euer Kreditinstitut

Ein Tipp, falls ihr diesen ultimativen Weg des Widerstands wählt: Sucht euch einen guten, einen richtig guten Anwalt. Denn euer Gegenüber wird dasselbe tun, verlasst euch darauf. Und habt einen richtig guten Grund, sonst sieht es schlecht für euch aus. Das tut es auch so, aber vielleicht geht ihr so wenigstens (verarmt und verhaftet) als Märtyrer in die Geschichte ein.

Mehr zum Thema:

Wenn ihr in der Bank auf der anderen Seite des Schalters steht, haben wir auch 10 Tipps für euch:

Geldanlage trifft Glücksspiel: Die Geschichte der Tontine

Wie schaffe ich ein Rentensystem, in dem jeder Anleger das Gefühl hat, der Gewinner zu sein – in Wirklichkeit aber der Staat verdient? Dieser Frage ging vor über 350 Jahren ein italienischer Bankier nach. Sein System machte Schule und wird heute vor allem in Afrika wieder angewandt – allerdings ganz ohne Banken. Und es ist besser als sein Ruf.

Das Prinzip einer Tontine ist einfach: Bei diesem Investitionsschema zahlen die Anteilseigner Geld in einen gemeinsamen Fonds ein und bekommen dafür lebenslänglich verzinste Raten ausbezahlt. Nach ihrem Tod geht ihr Anteil nicht auf die Erben, sondern auf die Mitglieder des Fonds über. Wenn alle Investoren tot sind, geht die verbleibende Restsumme auf den Veranstalter der Tontine über.

1653: Kleine Morde unter Freunden

Ausgedacht hat sich dieses System, das auch vielen Glücksspielen zu Grunde liegt, Lorenzo de Tonti (1602-1684). Der neapolitanische Bankier war Anfang der 1650er Jahre mit seiner Familie vor den spanischen Besatzern aus seiner Heimatstadt nach Paris geflohen. Dort stand er in den Diensten des Kardinals und Finanzherren Mazarin. Frankreich stand zu dieser Zeit vor großen finanziellen Problemen: Eine Steuererhöhung war krachend an Volksaufständen gescheitert und das Militär verschlang Unsummen von Geldern.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Tonti 1653 sein Finanzsystem. Der Clou dabei: Der französische Staat sollte als Organisator des Fonds fungieren. Wenn alle Anteilseigner verstorben sind, bekäme er den Restbetrag. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Rentenversicherung und Glücksspiel. Schließlich kann man den eigenen Tod schwerlich vorhersagen. Der Sonnenkönig Ludwig der XIV. war begeistert, nur das Parlament zog nicht so recht – aus der berechtigten Angst, die Teilnehmer könnten sich gegenseitig töten, um ihre eigenen Rentenansprüche zu vergrößern.

1700: 200 Tontinen in den Niederlanden

Die erste Tontine entstand daher nicht am Hofe des französischen Königs, sondern in den Niederlanden. Die Einführung in Frankreich 1689 erlebte Tonti nicht mehr. Deren Bestimmung war es, den Krieg gegen Großbritannien, die Niederlande und Habsburg zu finanzieren. Doch das Geld reichte nicht, der Krieg wurde verloren. Die Tontine aber setzte sich trotzdem durch. Im Jahre 1700 war die Zahl der lokalen Tontinen in den Niederlanden bereits auf 200 angestiegen.

In der Folgezeit wurde das Tontinengeschäft besonders in Frankreich, aber auch auf dem restlichen europäischen Kontinent und mit der Kolonialisierung schließlich auf der ganzen Welt betrieben. Die Organisation fand vor allem auf lokaler Ebene statt und wurde von staatlichen Behörden geregelt.

1844: Die Tontine als Lebensversicherung

Eine besondere Spielart ist die Tontine als Lebensversicherung. Der größte und älteste Anbieter ist die 1844 gegründete Gruppe Le Conservateur. „Jedes Jahr schütten wir eine Tontine aus und gründen eine neue für eine Dauer von 25 Jahren,“ erklärt der Generaldirektor Gilles Ulrich. Bei jeder Tontine nehmen etwa 8.000 Gesellschafter teil. Insgesamt hat Le Conservateur 160.000 Mitglieder.

1980er Jahre: Die Tontine basiert auf Vertrauen

Die neueste und wohl innovativste Form der Tontine hat sich aber vor über 30 Jahren in Westafrika gebildet. Dort funktioniert sie auf Vertrauens- und Freundschaftsbasis – ganz ohne staatliche oder lokale Autorität. Eigentlich handelt es sich bei diesem Konzept eher um ein gemeinsames Sparkonto als um eine echte, gewinnorientierte Tontine. Mit dem ersparten Geld sollen den meist nicht mehr als 50 Mitgliedern größere Investitionen für berufliche Projekte ermöglicht werden. In Kamerun sind bis zu 20% der Bevölkerung an solchen Sparprojekten beteiligt.

Mit zunehmender Immigration aus Afrika wurde das Konzept nach Spanien und Frankreich reimportiert. In Paris erfreut es sich unter anderem bei der chinesischen Community unter dem Namen hui großer Beliebtheit. In Spanien hat sich unser Reporter Christian Roudaut für die Sendung umgeschaut. Eine Teilnehmerin einer Tontine lobt die soziale Komponente des Sparsystems: „Die Tontine ist wie eine Bank unter Freunden.“

So hat de Tontis Geldanlage mit den Jahren eine positive Wendung genommen. Zu seiner Zeit hätten sich die Mitglieder schließlich noch gegenseitig zerfleischt.

Weiterführende Literatur:

Mein Mikrokredit und ich (1/3)

Christine Andréoli lebt in Perigny in der Bourgogne. Nach zahlreichen Ablehnungen bei Banken hat sie einen Mikrokredit über 3.000 Euro aufgenommen, um eine Schneckenzucht (ah, les Français!) aufzubauen. In Kombination mit einem zinslosen Darlehen über 1.500 Euro konnte sie 2011 den Betrieb aufnehmen.

Christine Andréoli ©Laurence Guillot

Christine Andréoli ©Laurence Guillot

„Ich bin auf das französische Mikrokredit-Institut ADIE gestoßen, indem ich einfach auf Google die Stichwörter eingegeben habe. Zuvor hatte ich schon bei verschiedenen Banken angefragt, ob sie mir einen Kredit gewähren. Das scheiterte aber daran, dass die Kosten meines Projekts überschätzt wurden. Außerdem hatte ich das Gefühl, im Nachteil zu sein, weil ich eine Frau bin und es in meinem Gebiet kaum Geschäftsdaten gibt. Nach jeder Absage sagte ich mir: Es ist unmöglich, klein anzufangen!

Schnell, vielleicht schaffen wir es ja noch auszubüchsen!

"Schnell, vielleicht schaffen wir es ja noch auszubüchsen!"

Vom ersten Gespräch bei der ADIE an hatte ich ein gutes Gefühl. Mir gefiel sofort ihr Konzept: Leuten Finanzmittel leihen, die selbst keine haben. Nach all den Treffen mit meinen Bankberatern hatte ich endlich das Gefühl, es mit mitfühlenden Menschen zu tun zu haben. Zuvor hatte ich in einer Nichtregierungsorganisation gearbeitet und diesen solidarischen Geist fand ich auch bei der ADIE wieder.

Die Zinsen des Kredits (9,75%) sind gesalzen, aber der Betrag ist ja relativ klein. Außerdem ist die Betreuung bei der ADIE ausgezeichnet. Mein Berater hilft mir bei der Durchführung meines Projekts und verfolgt die Entwicklung auch nach dem Geldtransfer noch weiter. Das würde ein Banker nicht tun. Heute ist mein Unternehmen noch nicht rentabel, dafür ist es noch zu früh. Ich muss in meiner Gegend noch bekannter werden, ich komme nicht von hier. Meine Schneckenrezepte sind ziemlich originell, zum Beispiel mit Lavendelsoße. Da müssen sich manche erst dran gewöhnen.“

Info: Was ist die ADIE?

ADIE ist ein Akronym (die Franzosen lieben Akronyme!), das für Association pour le droit à l’initiative économique steht. Das bedeutet so viel wie Verein für das Recht auf wirtschaftliche (Eigen-)Initiative. Ihr Name ist Programm: Menschen, die kein Anrecht auf klassische Bank-Kredite haben finanziell unter die Arme zu greifen. Der Verein wurde 1989 gegründet und wurde 2005 als gemeinnützig anerkannt. 2011 wurde die Vergabe des 100.000. Mikrokredits gefeiert.

Mein Mikrokredit und ich (2/3)

Georgette Vincent, 31, hat 2009 in Montfermeil im Norden von Paris die Firma Dissombo Beleza gegründet. Damit das Internet-Unternehmen, das auf Haarkosmetik spezialisiert ist, richtig in Fahrt kommen konnte, hat sie 2011 einen Mikrokredit über 5.000 Euro aufgenommen.

© Georgette Vincent

© Georgette Vincent

„Lange Zeit arbeitete ich als Assistentin in der Immobilien- und Medienbranche. Das war anfangs mein freier Wille. Doch als die Krise kam, wurde es immer schwieriger, an unbefristete Jobs zu kommen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz beschloss ich vor drei Jahren, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Mode und Kosmetik waren schon immer meine Leidenschaften! Mein Mann hat mir geholfen: Er investierte 2.000 Euro als Start-Kapital und richtete mir – er ist Informatiker – die Webseite ein. Dissombo ist der Name meiner verstorbenen Mutter.

Anfangs hangelte ich mich von Auftrag zu Auftrag. Das war sehr beschwerlich, denn manchmal war wochenlang Flaute. Ich kam immer wieder an den Punkt, an dem ich alles hinschmeißen wollte. Ich verlor viel Geld. Aber ich konnte mich immer wieder aufraffen, weiter zu machen. 2011 kam die Erkenntnis, dass es ohne zusätzliche Finanzierung nicht funktioniert. Ich hatte Termine bei vielen Banken. Drei Monate und viele Absagen später wurde ich an die ADIE verwiesen, von der ich zu diesem Zeitpunkt nichts wusste.

Wie Rapunzel nur in echt.

Wie Rapunzel nur in echt.

Die Berater dort waren sehr freundlich zu mir und ich fragte sie nach einem Kredit über 21.000 Euro, um einen Grundvorrat für mein Lager kaufen zu können. Leider erfuhr ich dann, dass 5.000 Euro die Obergrenze seien. Nur drei Monate später, im Juli 2011, hatte ich das Geld auf meinem Konto und im November begann ich, die Raten abzustottern. 2014 werde ich keine Schulden mehr haben, wenn es gut läuft vielleicht schon früher. Der Zinssatz von 9,75% ist natürlich sehr hoch, wenn man bedenkt, dass normale Banken etwa 3-4% verlangen. Aber was blieb mir schon übrig?

Heute brummt mein Geschäft! Ich schreibe schwarze Zahlen und habe unzählige Aufträge. Insgesamt habe ich 140 Privatkunden, 99 Firmenkunden und kaufe für acht Zulieferer ein. Ende Dezember habe ich im Fernsehen einen Werbespot ausgestrahlt. Der hat mir so viele Kunden eingebracht, dass ich die Aktion im März wiederholen werde. Meine Produkte beziehe ich aus Brasilien, Italien und Indien. In letzteres Land werde ich Ende des Monats reisen, um einen neuen Zulieferer zu treffen. In Frankreich bin ich inzwischen so etwas wie eine Botschafterin für Haarprodukte. Einen Buchhalter kann ich mir noch nicht leisten, aber ich bin zuversichtlich. Ohne einen Mikrokredit wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Mein Mikrokredit und ich (3/3)

Dank eines Mikrokredits konnte Zuhra Djelleb, 61, eine Fahrschule in Vaulx-en-Velin im Rhône-Tal eröffnen. Heute hat sie schon zwei Filialen und beschäftigt vier Mitarbeiter.

©Zuhra Djelleb

©Zuhra Djelleb

„Ich wurde 1951 in Deutschland als Tochter eines Algeriers und einer Deutschen geboren. Aufgewachsen bin ich in Frankreich. Dort habe ich auch geheiratet. Ich folgte meinem Mann nach Algerien, wo ich eine Fahrschule eröffnete. Nach unserer Trennung bin ich 1994 mit meinen fünf Kindern nach Frankreich zurückgegangen. Dort wollte ich auch eine Fahrschule gründen, aber mein Fahrlehrer-Abschluss war dort nicht gültig. Ich musste eine zusätzliche Schulung machen, was sehr teuer war.

Ich bekam bei mir im Ort eine Räumlichkeit zur Verfügung gestellt, aber ich musste ja auch das pädagogische Material kaufen. Im Januar 1998 habe ich ein Konto eröffnet und mit einem Bankier gesprochen, der mein Projekt zurückwies, da ich weder ein Auto, noch das nötige Material hatte. Wenn man nicht die richtigen Menschen trifft, die einem zuhören und ein gutes Herz haben, kann man in die besten Banken, ins Rathaus, zur Präfektur gehen – und doch nur auf unüberwindbare Hürden stoßen.

Auf die ADIE bin ich durch eine Fernseh-Werbung aufmerksam geworden. Die Kontaktaufnahme erfolgte sehr rasch, dann kamen Inspektoren zu mir und sahen sich mein Büro an. Ich hatte nur zwei Monate, um die Fahrschule offiziell anzumelden. Zum Glück bekam ich den Kredit rechtzeitig!

Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Geld ich bekam, noch zu welchem Zinssatz, aber ich fand, dass die Darlehen nicht groß genug sind, um ein Projekt zu verwirklichen und rentabel zu machen. Es fiel mir nicht schwer, den Betrag zurückzuzahlen und es war mir eine Ehre, meinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die mich in jenen Zeiten unterstützt haben, in denen ich zur Tafel ging, um meine Kinder zu ernähren.

Außerdem half mir ein zinsloses Darlehen über 20.000 Euro enorm. In der Folgezeit verkaufte ein Kollege seine Fahrschule. Ich hatte nicht genügend Geld, also ging ich zu meiner Bank. Diesmal beriet mich ein anderer Bankier und ich bekam einen Kredit. Der Mikrokredit der ADIE war also nicht ausreichend, half mir aber, meine Laufbahn auf den richtigen Weg zu lenken.”

Web-Phänomen Social Lending

Gelesen auf zeit.de: Viele Firmengründer und Künstler leihen sich im Internet Geld von fremden Menschen. Eine Bank brauchen sie nicht mehr.

©TIME

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Es ist dasselbe Motiv, das Catherine le Corre und Hans-Peter Lehmann zu Smava geführt hat: eine gewisse Skepsis gegenüber den Banken. Deshalb hat sich le Corre 9.750 Euro in dem Kredit-Netzwerk geliehen. Und Lehmann hat dort 10.750 Euro angelegt. Das Geld hatte er übrig, weil er sein Haus verkauft hatte. Le Corre hat es gebraucht, weil sie ein kleines Café aufmachen wollte.

»Ich vertraue den Banken nicht«, sagt Catherine le Corre, 47 Jahre, die in Paris geboren wurde, im Baskenland aufgewachsen ist und zwei erwachsene Kinder hat. »Mir schien das ein interessanter Gedanke, dass man nicht einer Großbank das Geld gibt, ohne Einfluss darauf zu haben: Was macht die damit?«, sagt Hans-Peter Lehmann aus Berlin, 55 Jahre, Sachgebietsleiter in der landeskirchlichen Grundstücksverwaltung.

Was die beiden tun, nennt sich im Englischen social lending, übersetzt also »soziales Verleihen«. Gemeint ist die Kreditvergabe von Mensch zu Mensch, übers Internet. Die erste bekannte Plattform dieser Art stammt aus Großbritannien, sie wurde 2005 gegründet und heißt Zopa. In den USA sind über die weltweit größte Seite prosper.com inzwischen mehr als 280 Millionen Dollar verliehen worden, der Kredit-Marktplatz hat mehr als eine Million Mitglieder. Es gibt eigene Analyseseiten wie ericscc.com oder lendstats.com, die Prosper-Statistiken auswerten und nach den besten Anlagestrategien suchen. In Deutschland heißen die Online-Kreditnetze Auxmoney oder Smava. Bei Smava sind in den vergangenen Jahren mehr als 53 Millionen Euro verliehen worden.

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Hände hoch oder ich lache!

Banküberfälle sind bei Komikern von Didi bis Otto ein echter Knaller, im wahrsten Wortsinn. Wir präsentieren euch eine kleine Auswahl an Lachsalven.

Im Gebäude geirrt

Der Wortverdreher

Sieht komisch aus, ist auch so

Einen Bankräuber platt machen

Anfängerfehler

Webschau: Bei Anruf Kredit

Wir schreiben das Jahr 2012. Der Bundespräsident hat eine prominente Mailbox zugewulfft und ist schließlich zurück getreten. Das Verhältnis der Deutschen zum Kredit Marke Eigenheimbau hat sich entscheidend verändert. Unter diesem Stern stehen unsere Kredit-News.

Einer der Vorschläge für das Trending Topic #Wulfffilme auf Twitter. Gesehen auf dem Satire-Blog Lupe

Einer der Vorschläge für das Trending Topic #Wulfffilme auf Twitter. Gesehen auf dem Satire-Blog Lupe

Einer flog über den Rubikon

Alles begann mit einem Kredit und einem Anruf… Noch vor kurzem bemühte sich Christian Wulff um Normalität und unternahm eine Staatsreise nach Italien. Der mitgereiste Bild-Reporter mutmaßte: „Vielleicht ist es von Vorteil, dass Wulffs erste Reise seit den Enthüllungen in ein Land führt, in dem die Menschen andere Kaliber von Politiker-Skandalen gewöhnt sind.“ Der Bundespräsident habe „an Format verloren,“ wirke „schmaler.“ Inzwischen hat er neben seinem Format auch noch seinen Job verloren. Zum Artikel…

Die Deutschen waren schon länger für seinen Rücktritt:

Eigenheim, Glück allein

Gute Nachrichten gibt es für Häuslebauer, die – ganz legal! – ihre trautes Heim aufmotzen wollen. Die staatliche Bank KfW hat ihre Förderregeln für Modernisierungen vereinfacht und die Zuschüsse erhöht. Außerdem können Eigentümer, die ihre Immobilie altersgerecht umbauen möchten, zinsgünstige Kredite aufnehmen. Zum Artikel…

Ein Kredit für die Liebe

Zum privaten Glück gehört neben home sweet home aber auch die Liebe des Lebens – in die es sich zu investieren lohnt. Deutsche Paare geben für ihre Hochzeit jedenfalls angeblich 6.000 bis 15.000 Euro aus. Da die wenigsten einen solchen Betrag auf dem Konto haben, nehmen sie laut dem Bund deutscher Hochzeitsplaner (!) immer häufiger Kredite auf. Viele zählen zum nachträglichen Abstottern fest auf Geldgeschenke ihrer Gäste. Zum Artikel…

Ein Kredit kommt selten allein

Mysteriöse Nachrichten erreichen uns aus dem Elsass, das derzeit von einem unbekannten Wohltäter heimgesucht wird. Im Dorf Hoerdt wurden bei verschiedenen Institutionen wie dem Elternverband der Schule oder dem katholischen Chor Umschläge mit Geldscheinen gefunden. Der Geldgeber gehört wohl zum alten Eisen, denn er zahlt nur in Francs. Die ehemalige französische Währung konnte bis zum 17. Februar in Euro umgetauscht werden. Zum Artikel…

Und wenn sie nicht mehr pleite sind, dann filmen sie noch heute

Ein Filmstudio müsste man sein! Vor rund einem Jahr war das US-Unternehmen MGM noch bankrott. Jetzt wurde ihm von einem Bankenkonsortium ein Kredit über 500 Millionen Dollar gewährt. Die Finanzspritze soll unter anderem kommenden Kino- und TV-Projekten zugute kommen, darunter den Blockbustern „Der Hobbit“ und „Skyfall“. Zum Artikel…

Ein Kredit Marke Eigentor

Gut gemeint, dumm gelaufen: Uli „Mir san mir“ Hoeneß und sein FC Bayern haben Borussia Dortmund in der Finanzkrise 2004 zwei Millionen Euro geliehen. Eine nette Geste, sicher. Nur: Mit dem Darlehen finanzierte der damalige Bayern-Manager so beispielsweise das Gehalt von Sebastian Kehl, bei dessen Transfer die Dortmunder und die Münchener heftig konkurriert hatten. Zum Artikel…

Und sonst noch:

Griechenland-Kreditkrise: Polizeigewerkschaft verspricht Belohnung für die Festnahme der EU-Troika

Misstrauen in die Banken: Deutsche Unternehmen nehmen immer weniger klassische Kredite auf

Spanair am Boden: Die spanische Fluggesellschaft ist pleite

Diese Woche: Und mein Kredit?

Kaufen bis die Kreditkarte raucht – das war einmal. Wer heute auf Pump leben will, braucht gute Freunde oder ein Mikrokredit-Institut in seiner Nähe.

Unser Reporter Christian Roudot trifft in der Sendung eine Kreditgemeinschaft in Spanien

Unser Reporter Christian Roudaut trifft in der Sendung eine Kreditgemeinschaft in Spanien

Die Sendung

Kredite werden in Europa immer seltener und teurer. Für die Sendung (Nacht auf Montag, den 20.2. um 00h15 auf Arte) hat sich der Blogger in Spanien umgesehen, wo selbstfinanzierte Kreditgemeinschaften das uralte Prinzip des Tontinengeschäfts wieder aufleben lassen, in Rumänien, wo Mikrokredit-Institute sich in bankenlosen Gegenden angesiedelt haben, und in Frankreich, wo der Verband für das Recht auf wirtschaftliche Initiative die Vergabe des 100.000. Mikrokredits feiert.

Der Blog

Auf dem Blog gehen wir der Jahrhunderte alten Geschichte der Tontine auf den Grund und stellen euch Menschen vor, die ihre Projekte dank Mikrokrediten umgesetzt haben. Außerdem geben wir euch ein paar (nicht ganz ernst gemeinte) Tipps, wie ihr es den bösen Banken heimzahlen könnt und zeigen passend dazu die besten Banküberfall-Sketche.

Die Definition

Der Term Kredit kommt vom lateinischen Verb credere, welches „vertrauen, glauben“ bedeutet. Es geht dabei also um das Vertrauen in die Bereitschaft, eine (finanzielle) Verbindlichkeit absprache- und fristgemäß zu begleichen. Laut Duden hat das Wort zwei Bedeutungen:

  1. ein besonders in der Wirtschaft im Rahmen eines Geschäfts befristet zur Verfügung gestellter Geldwert, Betrag bzw. ein gewährter Zahlungsaufschub, ein zugestandener Spielraum für Zahlungsaufschub, eine Stundung
  2. ein in der Kaufmannsprache einer Person oder einem Unternehmen entgegengebrachtes Vertrauen in die Kreditwürdigkeit, eine finanzielle Vertrauenswürdigkeit

Und was ist gemeint, wenn alle Welt immerzu von der Kreditkrise spricht? Das erfahrt ihr in diesem Video:

Vorschau: Bei den armen Luxemburgern

Wenn der Blogger auf Reportage geht, wird er manchmal selbst von Journalisten befragt. So ging es unserem Reporter Pierre-Olivier François, als er in Luxemburg für die April-Sendung über Armut und Reichtum drehte. Unsere Kollegen von RTL Télé Lëtzebuerg haben über die Stippvisite im Großherzogtum berichtet:

Bericht von Violetta Caldarelli für RTL Télé Lëtzebuerg

Und hier die deutsche Übersetzung:

Off-Stimme: Heute Mittag um halb zwei in der Stadt hat Serge Tonnar bei eiskalten Temperaturen vor dem Parlament seine Gitarre ausgepackt und sein Lied „Crémant an der Chamber“ („Sekt im Parlament“) angestimmt. Die mittlerweile landesweit bekannte Hommage, in der die Sparmaßnahme des Parlamentspräsidenten lustig, aber nicht unkritisch auf die Spitze getrieben wird, kommt im Frühjahr in einer Fernsehsendung bei ARTE. Denn unter den Zuschauern war auch ein Kamera-Team des deutschfranzösischen Kultursenders.

Unser Journalist Pierre-Olivier François: Wir bereiten gerade eine Sendung über Reichtum und Armut in Luxemburg vor. Wir haben uns hier mit einigen Leuten getroffen und waren in der Ausstellung „Armes Luxemburg?” Wir wollten wissen, wie es in dem Land aussieht, das das höchste Pro-Kopf-Einkommen Europas hat. Und unter den Leuten, mit denen wir uns unterhalten haben, war Serge Tonnar.

Off-Stimme: Neben Bankern und anderen Leuten sollte im Bericht auch ein luxemburgischer Künstler zu Wort kommen. Das Jonglieren mit Worten liegt Serge Tonnar bekanntlich gut. Für den Beitrag zu diesem Thema wollte er den Weg gehen, der ihm am besten liegt: den musikalischen.

Liedtext: Es gibt nur noch Sekt im Parlament. Aber Gott sei dank bin ich dort nicht Mitglied.

Serge Tonnar: Da hab ich überlegt: Was kann ich zu dem Thema sagen? Ich will nicht viel sagen. Das Einzige, was ich tun kann, ist denRefrain von „Cremant an der Chamber“ zu singen, in dem es um Arme und Reiche geht. Das passt vom Thema her. Deshalb dieser Flash-Mob (Fläsch heißt auf Luxemburgisch Flasche, Anm. d. Red.) hier vorm Parlament, um den Leuten dieses Liedchen zu singen.

Off-Stimme: Für das arme und reiche Publikum sollte ein kleiner Aufruf auf Facebook sorgen. Doch die bittere Kälte hat im Endeffekt nicht so viele Leute vor das Parlament gelockt. Aber wer den Flash-Mob verpasst hat, kann seine Solidarität im April vom heimischen Wohnzimmer aus zeigen, wenn die ganze Sendung bei unseren Kollegen von Arte zu sehen ist. Ganz ohne kalte Füße zu bekommen.

Übersetzung aus dem Luxemburgischen: Nilufar Kesseler

Mehr zum Thema:

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