Polo-Matches, Auto-Rallyes oder Verbalkämpfe: An keinem anderen Ort in Frankreich kann man erlauchten Hobbys so gut frönen wie in Paris. Die Klubs der Reichen sind vor allem die Manifestierung einer altüberlieferten Solidarität, die darauf abzielt, die Errungenschaften der besitzenden Klasse zu erhalten. Ein paar Beispiele.

Ob es darum geht, sich im „Siècle“ hitzige Wortgefechte zu liefern, an Taubenschießen teilzunehmen, Polo zu spielen oder eine Mahlzeit unter Gourmets bei „Maxim’s“ einzunehmen: Jede Ausrede kommt reichen Menschen gelegen, sich unter ihresgleichen zu treffen und diskret ihre Zugehörigkeit zum Dunstkreis der Macht und zu einem sozialen Milieu zu zeigen, das seit langer Zeit die selben Codes pflegt.
Tja, das heißt es wohl „geschlossene Gesellschaft“. Warum das so ist? Der Soziologe Michel Pinçon sagt: „Man kann nicht lange alleine reich sein.“ Finanzieller Reichtum „muss von sozialem Reichtum legitimiert sein, um auf bestehen und weitergegeben werden zu können.“ Die Oligarchie ist somit das Ergebnis einer andauernden und anstrengenden Arbeit. Die High Society besteht aus einer Reihe ineinander geschachtelter professioneller und familiärer Netzwerke.
Offiziell ist das Geschäftliche dennoch ein Tabuthema in vielen Klubs, die für eher unterbeschäftigte Herren, die sich für Pferde, Backgammon, Bridge, Polo oder die Jagd interessieren, gegründet wurden. Doch die Zeiten ändern sich: Müßiggänger, die allein von ihrem Erbe leben sind rar geworden. Bis auf wenige Ausnahmen bedeutet die Zugehörigkeit zu einem Klub daher auch, auf sehr effiziente Weise sein berufliches Netzwerk auszuweiten.
„Die großen Familien brauchen keine Statistiker oder Soziologen, um die Grenzen ihrer Gruppe zu definieren. Sie machen die Arbeit selbst mittels Rallyes, Klubs und Aufsichtsräten. Und noch allgemeiner anlässlich ihrer gesellschaftlichen Integration, der Wahl ihres Wohnviertels, der Schulen ihrer Kinder und ihrer Ferienziele,“ erklären Monique Pinçon-Charlot und Michel Pinçon in ihrem Werk „Les ghettos du gotha“ („Die Ghettos der oberen Zehntausend“).
Dieses Phänomen mag für reiche Menschen in allen Ländern gelten. Doch in Paris ist es wegen der durch den Zentralismus bedingten lokalen Konzentration besonders stark ausgeprägt. Wir stellen euch stellvertretend die drei wahrscheinlich wichtigsten Reichen-Klubs der Hauptstadt an der Seine vor.
„Le Siècle“: Willkommen beim Hahnenkampf
Der wahrscheinlich emblematischste Reichen-Klub von Paris wurde 1946, also nicht lange nach der Befreiung der Hauptstadt, eröffnet. „Le Siècle“ ist ein Verein, dessen Ziel es ist, „das Aufeinandertreffen von Menschen zu ermöglichen, die sich fürs Staatswesen interessieren“. So steht es im ersten Artikel der Statuten.
Wer Mitglied werden möchte, muss ein strengeres Protokoll befolgen als anderswo: Der Aufsichtsrat des Siècle entscheidet über die Rekrutierung und untersucht die Unterlagen eines jeden Bewerbers mit größter Aufmerksamkeit. Der Bewerber selbst kann sich nicht spontan bewerben, sondern muss von mindestens zwei Klub-Mitgliedern vorgeschlagen werden, von denen eines dem Aufsichtsrat angehören muss. Die Aufnahme schließlich hängt von einer Wahl ab: Jedes Aufsichtsratsmitglied hat zu diesem Zweck eine schwarze (Ablehnung) und eine weiße (Annahme) Kugel. Jede schwarze Kugel ist so viel wert wie zwei weiße.
Theoretisch braucht man also eine Mehrheit von 67% der weißen Kugeln, um die Aufnahme zu bestehen. Aber in der Praxis werden Bewerber abgelehnt, sobald drei Mitglieder schwarz stimmen, um interne Spannungen zu vermeiden. Kommt es zu dieser Situation, wird der Kandidat kein Mitglied, sondern wird lediglich „Gast“, ein Status, der mehrere Jahre andauern kann. Anschließend wird der Gast erneut geprüft. Er kann dann entweder volles Mitglied werden oder entlassen werden.
Der Jahresbeitrag im Siècle liegt bei moderaten 150 Euro. Frauen hatten zwischen 1949 und 1983 keinen Zutritt. Worum ging es bei der Gründung? „Es war wichtig, Eliten um ein gemeinsames Projekt zu scharen, aber auch die Tatsache, diese Eliten zu erneuern, indem man die Talente von morgen erkennt“, erklärt der Präsident Denis Kessler. „Dieser Geist ist auch heute noch die Grundlage des Siècle.“ Bei den gemeinsamen Diners trifft man heute ebenso viele alte wie neue Eliten, die in Unternehmen oder Ministerkabinetten entdeckt wurden. „Wir sehen niemanden als Kandidat an. Wir geben jedem die Möglichkeit, dem Siècle beizutreten,“ sagt Kessler, um Konkurrenzdenken zu unterbinden.
An jedem letzten Mittwoch des Monats treffen sich von Politikern (Nathalie Kosciusko-Morizet, Rachida Dati, Xavier Bertrand) über Wirtschaftsmanager (Louis Schweitzer, Stéphane Courbit, Guillaume Pepy, Laurence Parisot) bis hin zu Journalisten (Patrick Poivre d’Arvor) alle, die Rang und Namen (und Geld) haben. Ein Mitglied berichtet:
„Bei den Abendessen geht es meist um vorher vereinbarte Themen. Es wird erwartet, dass man ökologisch ist, politisch moderat und kulturell korrekt. Der Vorsitzende eines Tisches leitet das Gespräch. Es wird ein Thema vorgegeben und nach einiger Zeit driftet das Gespräch in aktuelle Themen ab. Und da versucht natürlich jeder, intellektuell zu brillieren. Das ist wie ein Hahnenkampf.“